Ein durstiger Hirsch kam zu einer Quelle. Nach dem Trinken sah er sein Spiegelbild im Wasser. Er war stolz auf sein grosses, vielfach verzweigtes Geweih, aber unzufrieden mit seinen dünnen und schwachen Beinen. Während er noch darüber nachdachte, erschien ein Löwe und verfolgte ihn. Der Hirsch floh und gewann rasch Abstand, denn die Kraft des Hirsches liegt in seinen Beinen, die des Löwen in seinem Mut. Solange die Ebene offen war, behielt er den Vorsprung, der ihn rettete. Als er jedoch in ein Waldstück kam, verfing sich sein Geweih in den Ästen. Er konnte nicht weiterlaufen und wurde vom Löwen gefangen. Im Sterben sagte er zu sich: «Wie elend bin ich! Meine Beine, von denen ich Verrat erwartete, retteten mich. Mein Geweih, auf das ich mein ganzes Vertrauen setzte, bringt mich um.»
In der Gefahr können uns diejenigen retten, denen wir misstrauen, während uns das verrät, worauf wir uns verlassen.Moral
Nº 71Die drei Ochsen und der LöweDrei Ochsen weideten stets gemeinsam. Ein Löwe wollte sie verschlingen, doch ihre Einigkeit hinderte ihn daran. Deshalb entzweite er sie mit…Fabel lesen →
Nº 198Der verliebte Löwe und der PflügerEin Löwe verliebte sich in die Tochter eines Pflügers und bat um ihre Hand. Der Mann wagte weder, seine Tochter einem wilden Tier zu geben, noch, den…Fabel lesen →
Nº 201Der Löwe und der FroschEin Löwe hörte einen Frosch quaken und drehte sich um, weil er ein grosses Tier erwartete. Er wartete eine Weile. Als der Frosch aus dem Teich kam,…Fabel lesen →Eine Fabel, jeden Sonntag, in deinem Postfach.