aesopica.
ENFRESDEITPT
FabelNº 98

Diogenes auf einer Reise

Der Kyniker Diogenes kam auf einer Reise an einen Fluss, der bis zu den Ufern angeschwollen war, und blieb ratlos stehen. Ein Mann, der gewöhnlich Menschen hinübertrug, sah ihn, nahm ihn auf die Schultern und brachte ihn freundlich ans andere Ufer. Dort machte Diogenes sich Vorwürfe wegen seiner Armut, die ihn daran hinderte, seinem Wohltäter etwas zurückzugeben. Während er noch darüber nachdachte, sah der Mann einen anderen Reisenden, der den Fluss nicht überqueren konnte, lief zu ihm und trug auch ihn hinüber. Da ging Diogenes zu dem Fährmann und sagte: «Ich bin dir für deinen Dienst nicht länger dankbar. Ich sehe, dass nicht dein Urteil, sondern ein innerer Zwang dich zu solchen Handlungen bewegt.»

Güte ohne Urteilsvermögen kann als Mangel an Unterscheidungskraft erscheinen.
Moral

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