Der Kyniker Diogenes kam auf einer Reise an einen Fluss, der bis zu den Ufern angeschwollen war, und blieb ratlos stehen. Ein Mann, der gewöhnlich Menschen hinübertrug, sah ihn, nahm ihn auf die Schultern und brachte ihn freundlich ans andere Ufer. Dort machte Diogenes sich Vorwürfe wegen seiner Armut, die ihn daran hinderte, seinem Wohltäter etwas zurückzugeben. Während er noch darüber nachdachte, sah der Mann einen anderen Reisenden, der den Fluss nicht überqueren konnte, lief zu ihm und trug auch ihn hinüber. Da ging Diogenes zu dem Fährmann und sagte: «Ich bin dir für deinen Dienst nicht länger dankbar. Ich sehe, dass nicht dein Urteil, sondern ein innerer Zwang dich zu solchen Handlungen bewegt.»
Güte ohne Urteilsvermögen kann als Mangel an Unterscheidungskraft erscheinen.Moral
Nº 297Das badende KindEin Kind geriet beim Baden in einem Fluss in Gefahr und rief einen Reisenden um Hilfe. Der Mann begann, es wegen seiner Unvorsichtigkeit zu tadeln.…Fabel lesen →
Nº 313Der Hirte und die WolfsjungenEin Hirte fand junge Wölfe und zog sie sorgfältig auf. Er hoffte, sie würden später nicht nur seine eigenen Schafe bewachen, sondern auch fremde…Fabel lesen →
Nº 6Der Adler mit den gestutzten Flügeln und der FuchsEin Mann fing einen Adler, stutzte ihm die Flügel und liess ihn in seinem Hühnerhof unter den Hennen leben. Der Vogel liess den Kopf hängen und frass…Fabel lesen →Eine Fabel, jeden Sonntag, in deinem Postfach.